Selbstverständnis Die Brennnessel Hauskollektiv

 

  1. Wohnen und Kritik am Immobilienmarkt

    Überteuertes und nicht leistbares Wohnen – die Frage des Eigentums

    Wir sehen nicht ein, dass unser aller Grundbedürfnis nach Wohnraum von besitzenden Einzelpersonen oder Gesellschaften zu deren Bereicherung unfair ausgenützt wird. Wir sind der Meinung, dass weder die Tatsache ein Haus zu nutzen noch die Tatsache ein Haus zu besitzen den beteiligten Personen die Möglichkeit bieten soll sich finanziell zu bereichern. Dazu ist es nötig eine alternative Besitzstruktur zu schaffen in der Nutzungsrechte kollektiviert und Eigentumsrechte neutralisiert sind. Dazu wird zwischen dem sogenannten Werteigentum und dem Nutzungseigentum differenziert. Das Nutzungseigentum und das damit verbundene Recht ein Haus zu bewohnen wird dabei an einen Hausverein übertragen während das Werteigentum an eine juristische Person – die Hausbesitz GmbH übergeben wird. Gesellschafter der Hausbesitz GmbH sind einerseits der Hausverein und andererseits der Verein Habitat (siehe Abschnitt 'Vernetzung mit anderen Projekten'). Alle Hausbewohner_innen sind ordentliche Mitglieder des Hausvereins. Der Verein Habitat hat im Falle eines Hausverkaufs ein Vetorecht

    Somit gehört das Haus allen und niemandem und ist zugleich praktisch unverkäuflich geworden und somit dem Immobilienmarkt als mögliches Spekulationsobjekt entzogen.


  2. Selbstverwaltung als Grundlage für ein solidarisches Miteinander

    2.1 Wir verstehen Selbstverwaltung als eine Organisationsform die allen ordentlichen Mitgliedern des Hausvereins die gleichen Mitbestimmungsrechte einräumt. Durch die in Abschnitt 1 beschriebene Neutralisierung der Eigentumsrechte ist eine hierarchische Bevorzugung oder Sonderstellung einzelner Personen innerhalb des Projekts auf Grundlage ihrer finanziellen Beteiligung ausgeschlossen

     

    2.2 Wir verstehen Hausgemeinschaft nicht als geschlossenen Kreis der Bewohner_innen sondern wollen auch die Beteiligung von externen Nutzer_innen zulassen und fördern. Daher ist es möglich, als außerordentliches Mitglied, Teil des Hausvereins zu werden. Dabei muss gewährleistet bleiben dass die Interessen externer Nutzer_innen denen der Bewohner_innen nicht zuwider laufen

     

    Zu diesem Zweck wird neben dem ordentlichen Plenum zusätzlich ein außerordentliches Plenum abgehalten an dem neben den Bewohner_innen auch außerordentliche Mitglieder und nach vorheriger Absprache auch Gäste teilnehmen können

     

    Beschlüsse des außerordentlichen Plenums sind erst gültig, wenn das ordentliche Plenum seine Zustimmung gegeben hat.

     

    2.3 Verwaltungsorgan der Hausgemeinschaft ist das regelmäßig abgehaltene ordentliche Plenum an dem jedes ordentliche Mitglied teilnehmen kann. Nach Bedarf bilden sich innerhalb des Hausvereins einzelne Projekt-/Arbeitsgruppen die ihre Anliegen und Ergebnisse dem Plenum vorstellen. Das Plenum entscheidet über deren Durchführung

    Die Entscheidungsfindungen aller Plena erfolgen nach dem Konsensprinzip (2). Wir wollen Diskussion und keine Mehrheitsbeschlüsse.

    Gäste und außerordentliche Mitglieder sind an der Entscheidungsfindung des ordentlichen Plenums nicht beteiligt.

     

    2.4 Es ist die Absicht der Projektgruppe auf diese Weise ein gleichberechtigtes Klima und solidarisches Miteinander innerhalb der Hausgemeinschaft entstehen zu lassen in dem Gegebenheiten, wie ethnische und soziale Herkunft, Lebensentwurf, Alter3, Behinderung4, sex, gender, sexuelle Orientierung und religiöse Ausrichtung (unter Vorbehalt5) keine Rolle spielen. Religiöser Praxis wird im öffentlichen und gemeinschaftlichen Raum kein Platz geboten.

     

    2.5 Das Haus soll jedem Menschen mit seinen individuellen Wohnbedürfnissen so gut wie möglich gerecht werden können. Von einzelnem wohnen über Familien bis zu kleineren und größeren Wohngemeinschaften sollte alles möglich sein.


    Innerhalb der einzelnen Wohneinheiten bestimmen die Bewohner_innen selbst über die Struktur ihres Zusammenlebens.


    Bei Neueinzügen ist die Zustimmung des ordentlichen Plenums notwendig.

     

    2.6 Die beschriebenen Strukturen sind Ausdruck unserer gemeinsamen Ideale der Autonomie und Solidarität sowie der Ablehnung jeglicher Form struktureller und physischer Gewalt durch hierarchisch bedingte Machtverhältnisse aller Art und deren Folgen. Wir wollen einen Lebensraum schaffen in dem die Verschiedenheit der Menschen nicht nur akzeptiert sondern als natürlich anerkannt und als Bereicherung empfunden wird. Denn nur einen solchen Lebensraum empfinden wir als menschenwürdig. Wer diese Ideale nicht mitträgt ist nicht willkommen. Wer nicht willkommen ist kann es gerne werden wenn Mensch bereit ist sich mit unseren Grundsätzen auseinanderzusetzen – gegebenenfalls vor der Tür.


  3. Begegnungsraum

    Wir wollen uns unsere Utopie selbst bauen - öffentlich wie privat.

    Neben unserem ureigenen Interesse nach selbst gestaltbarem Wohnraum wollen wir auch Möglichkeiten für (öffentliche) Begegnungsräume und kulturelles Leben schaffen. Folgende Einrichtungen sind denkbar:


    Nachbarschafts Treffpunkt / Kultur Café

    Treffpunkt ohne Konsumzwang, Raum für Vorträge, Lesungen, gemeinsames Lernen, kleine Feiern, zum Kochen, Essen und Trinken.


    Werkstätten/Ateliers

    Raum um Dinge selbst herzustellen – Unabhängigkeit von Konsum,

    Raum für Kreativität

    Arbeit mit Holz und Metall, Fahrradwerkstatt, Druckerei, Platz für Workshops.


    Garten/Acker

    Möglichst große Unabhängigkeit von Lebensmittelindustrie und Einzelhandelsketten. Auch die Einrichtung einer Foodcoop ist denkbar.

    Platz für Entspannung


    Sportraum

    Veranstaltungsraum

    Konzerte, Theater, Performances, Filmvorführungen, Partys


  4. Konsumkritik und mögliche Selbstversorgung - d.i.y. don`t buy

    Wir sehen uns als politisches Projekt. Wir stehen in Opposition zum Kapitalismus und seiner brutalen Verwertungs- und Wachstumslogik die unsere Lebensverhältnisse zusehends bestimmt und unseren Planeten zugrunde richtet. Wir erkennen den Kapitalismus ich als natürliche Logik an, sondern verstehen ihn als eine von vielen Ideologien, deren Auswirkung unsere Welt und ihre Gesellschaft im Laufe der Geschichte durchlebt haben, Wir sehen Projekte wie unsere als kleinen Beitrag dazu, kapitalistische Machtverhältnisse aufzubrechen und eine lebenswertere Gesellschaft zu gestalten.

  5. Austausch mit anderen Projekten

    5.1 Solidarischer Umgang miteinander ist nicht nur innerhalb der Gruppe ein Grundsatz sondern wird auch nach Außen mit anderen Hausprojekten gelebt. Das Haus ist Teil eines Internationalen Netzwerks ähnlicher Projekte.

    5.2 Das Projekt erkennt den Verein Habitat als Dachverband an und wird sich mit einer Solidarumlage an der Finanzierung des Vereins beteiligen.


  6. Altmieter:innen

    Falls im Haus Altmieter:innen vorhanden sind, werden diese von uns mutübernommen und nach Möglichkeit ins Projekt mit eingebunden.